"Restaurierung" einer alten Cherry G80-1800

Für Basteleien, Messgeräte und physikalische Experimente.

Moderatoren: MaxZ, ebastler, SeriousD

Antworten

Thread-Ersteller
ebastler
Epic Spam Warrior
Beiträge: 3316
Registriert: Di 13. Jul 2010, 22:46
Spezialgebiet: Physik
Schule/Uni/Arbeit: Physikstudium
Hat sich bedankt: 72 Mal
Danksagung erhalten: 59 Mal
Kontaktdaten:

"Restaurierung" einer alten Cherry G80-1800

Beitrag von ebastler »

Moin,

Heute möchte ich ein weiteres meiner Quarantäne-Projekte vorstellen. Ich bin vor einer Weile etwas in die custom mechanical keyboard Szene abgerutscht und hab schon viel zu viel Geld für Tastaturen ausgegeben... Ja, so was gibts.
Arbeite auch gerade an mehreren tollen kleinen Projekten als PCB Designer, um genau zu sein der werk.technica Werk One und der Linworks Whale 75, aber hab noch n paar Projekte offen. Ich stelle Projekte aber ungern vor ehe sie beendet sind, daher kommt das ggf später.

Jedenfalls habe ich einige ziemlich versiffte Cherry G80-1800 aus Office-Beständen gekriegt, Produktionsdaten zwischen 1997 und 2000. Das Interessante an diesen sind die sehr hochwertigen ABS Doubleshot Keycaps (made in Germany), sowie die alten MX Black, aus einer Zeit als Cherrys Molds noch recht frisch waren, was zu deutlich weniger kratzigen Switches führt. Die ~20 Jahre Office Betrieb haben sie zusätzlich glatt geschliffen. Das Problem war, dass die Tastaturen auch optisch ihre 20 Jahre runter hatten. Dicke Staub- und Dreckschichten, sowie leichtes yellowing des Kunststoffs. Mit etwas Schrubben und Gebissreiniger (Keine Ahnung warum, aber das Zeug ist top :D) sah meine aber bald durchaus ansehnlich aus. Gegen das gelbliche Angilben reichen, bei so schwachen Fällen, einige Tage Sommersonne am Balkon/Garten. Die harte UV Strahlung bleicht das Plastik wieder schön aus.

Bild Bild Bild

Nun war die Elektronik da drin auch nicht mehr das Gelbe vom Ei, und PS/2 ist nicht mehr ganz aktuell. Also hab ich kurzerhand eine neue Platine designt und bei jlcpcb fertigen lassen. Diese (übrigens open source und in meinem github) basiert auf einem STM32F072 als Herz, verfügt über N-key-rollover, und Tastenbeleuchtung. Bei Modellen mit Slot für Kartenleser kann zudem ein kleines OLED in die Öffnung gebaut werden. Vor allem aber hat mein PCB einen nativen USB-C Port in der originalen Kabeldurchführung. Bei der Firmware habe ich zum open source Projekt QMK gegriffen. Da man die Platine zwischen den Tasten durch scheinen sieht und jlcpcb damals nur grün bestückt hat, habe ich die Oberseite - PCB Fabriken hassen diesen Trick - flächig mit weißem Silkscreen gefärbt. So kam ich um ~15€/Stück an 10 voll bestückte Platinen für die riesen Tastatur. 9 hab ich für Materialpreis an Freunde verkauft. An diesem Punkt werden eventuell auch die Anführungszeichen im Titel einleuchtend - bei dem Aufwand ist das schon fast ne ganz neue Tastatur :hihi:

Bild Bild Bild

Bild Bild Bild

Alles in allem bin ich super zufrieden mit dem Board - optisch und haptisch. Für mehr Informationen zum Bau, und ein paar mehr Fotos könnt ihr den Projektthread auf meiner Homepage lesen - habe es hier nur etwas kürzer zusammengefasst und bin nicht ganz so ins Detail, wie drüben. Dafür gibts hier noch ein Foto, das auf meiner Homepage nicht zu finden ist - Inzwischen steckt das Board in einem schwarzen Gehäuse, das ich günstig gefunden habe. Daneben ist der erste Prototyp meiner Isometria 75, doch das ist ein anderes Projekt für einen anderen Tag. Diese ist von Grund auf selbst designt und in der aktuellen Revision Bluetooth Low Energy fähig. Bin aber noch nicht so ganz zufrieden und werde das Ding einmal grundlegend umkrempeln ehe es in Kleinserie gehen wird.
Dateianhänge
photo5843968851149174505.jpg
"A condition where insufficient dead time exists is a destructive condition."
Texas Instruments, TL494 Appnote, Kapitel 4.4.2
Benutzeravatar

Death
Beiträge: 863
Registriert: Sa 14. Jul 2018, 05:56
Spezialgebiet: CO²-Laser
Schule/Uni/Arbeit: Elektroinstallateur
Wohnort: Duisburg
Hat sich bedankt: 80 Mal
Danksagung erhalten: 105 Mal

Re: "Restaurierung" einer alten Cherry G80-1800

Beitrag von Death »

Interessant... ich wußte garnicht, das es dafür eine Szene gibt :mrgreen:

Die schwarze Version gefällt mir am besten wobei auch die UV-Version was hat :) Top.

Die alten Cherry Tastaturen von früher mag ich auch immer ganz gerne, ich liebe das Anschlagverhalten.

Ich hatte mich mit dem Plastik mal kurz damit beschäftigt, was das ausbleichen angeht.

Ich hatte mir dafür mal ( es ging um einen C64 mit Floppy ) einige Seiten im Netz durchgelesen, was das ausbleichen von Kunststoff anging. Es hieß dort, das man Vanish Gold Oxi Clean dafür benutzen sollte und danach halt in die Sonne legen sollte. Also hab ich mir das Pulver besorgt bei Rossman und naja, ich komme aus dem Ruhrpott, anscheinend haben wir hier keine extremen Sommersonnen ( also vor ein paar Jahren ) oder mit dem Vanish hat das doch nicht so gut funktioniert.

Ich konnte keinen Effekt erzielen :cry:

Auch mit Domestos hatte es keinerlei Wirkung. Wenn ich mich recht entsinne, ging es ja um die Verbindung Chlor und UV-C. Aber ich bin kein Chemiker.

Mit dem Gebißreiniger, das werde ich mir mal merken :hehe:


Ein tolles Projekt 8)
Antworten