Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

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MaxZ
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Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von MaxZ »

Moin zusammen,


Wie in so manch anderem Forum auch kommt auch hier ab und zu der Kommentar auf, dass man doch gar nicht alles wisse und vielleicht mit ausreichend Bastlermotivation ja doch noch der ganz große Wurf gelingt, der die Physik wie wir sie kennen auf den Kopf stellt. Dabei meine ich gar nicht mal die ganze freie Energie Fraktion, sondern Bastler, die sich hobbymäßig mit der Materie beschäftigen und sich Gedanken rund um das Thema machen.

Passend dazu möchte ich unbedingt dieses Video empfehlen. Es kommt zwar aus dem Bereich der (populärwissenschaftlichen) Mathematik, lässt sich aber eigentlich 1:1 auf oben genanntes übertragen. Für einige ist es sicherlich eine Belustigung, ich möchte aber betonen, dass ich niemanden bloßstellen oder ankreiden will. Es ist als ehrlicher Denkanstoß gemeint.

Die Kernbotschaft ist direkt in den ersten 5 Minuten enthalten, sowie beim ersten wirklichen Beispiel bei 08:57, danach folgen "nur" noch lehrreiche Beispiele mit amüsanten Kommentaren. Wem auch 5 Minuten zu lang sind kann auch nur bei 01:29 und 04:00 reinhören oder nachfolgende Zitate lesen.
[...] Und dann gibt es noch die klassischen Konstruktionsprobleme der Antike. Die sind zwar seit langer Zeit geklärt, aber in gewissen Kreisen immer noch populär. [...] Der Witz an diesen Problemen ist, dass die, die sich damit beschäftigen, diese Beweise nicht verstehen und einfach nicht akzeptieren wollen, dass sie wahr sind. Sie wollen etwas erreichen von dem schon lange klar ist, dass es nicht geht. Und sie wollen nicht akzeptieren, dass es nicht geht. Es scheint einfach zu verlockend zu sein mit Zirkel und Lineal herumzufuhrwerken.
Hilfreich ist auch, wenn man sich darüber informiert, was schon bekannt ist. [Liest Idee aus Zusendung vor]. Wenn das wirklich seine eigene Idee war, dann ist das nicht dumm. Aber, diese Idee hatten schon Menschen, die sich im 19. Jahrhundert mit der Frage beschäftigt haben. Man nennt das die grafentheoretische Formulierung und seit etwa 100 Jahren wird das Problem in Fachkreisen nur noch so formuliert. Ein Blick auf Wikipedia hätte gereicht um das herauszubekommen.
Das trifft natürlich auf die Freunde der Freien Energie zu, aber eben nicht nur. Es betrifft auch viele Hobbyelektroniker, -physiker, -wasauchimmer. Zumindest wenn ich so auf die Elektronik blicke, möchte ich behaupten, dass die Kenntnisse der meisten irgendwo auf dem Stand von vor 50-150 Jahren sind. Das ist keine Kritik; da wurden halt einfach die grundlegenden Beschreibungen gemacht, die auf Hobbyniveau interessant sind. Aber von diesem ~100 Jahre alten Standpunkt her behaupten zu wollen man hätte auch nur den Funken einer Chance bei aktuellen Forschungsthemen was beitragen zu können scheint mir mehr als anmaßend. Und selbst wenn du Carl Benz persönlich wärst, würdest du beim einfachen Mechaniker um die Ecke blöd aus der Wäsche kucken - geschweige denn bei irgend einer heutigen Entwicklungsabteilung mithalten können.

Ein wenig in die gleiche Kerbe schlagen die ganzen Kommentare von wegen "Akademiker haben ja keine Ahnung [von der Praxis]" oder "was diese Akademiker so glauben ist ja eh nur theoretisch, idealisiert, kann die Realität gar nicht beschreiben". Bullshit (sorry...). Zumindest so wie es hier oft gemeint ist. Ja, manch einer mag nicht wissen, dass Widerstände standardmäßig 5% Toleranz haben. Die falsche Schlussfolgerung für manche ist dann aber, dass das "theoretische" U=R*I gar nicht korrekt ist weil toleranzbehaftet. Nö. U=R*I stimmt immer noch haargenau. Nur die Beschriftung auf dem Widerstand stimmt nicht 100%. Ein Bauteil mit einem Widerstandswert von 5 Ohm wird bei 1A immer 5V Spannungsabfall haben. Immer. Egal ob der jetzt Shunt, Widerstand, MOSFET oder Sonnenblume heißt. Und egal ob a "5R", "5R1" oder "Ludwig" drauf steht.
Ja aber wenn ich ihn warm mache - ja dann hat er auch keine 5 Ohm mehr. Ja aber dann ist die Formel ja nutzlos - nö. Du musst nur wissen wann du sie verwenden kannst, oder dir die Mühe machen nachzulesen wie der Temperatureinfluss modelliert wird. Um's etwas formeller auszudrücken, der Fehler ist nicht, dass in der Formel etwas fehle ("U=R*I+x"), sondern dass U, R, I ggf. nicht konstant sind. Zeit- und Temperaturabhängigkeit sind nur zwei Beispiele.
Das Beispiel war bewusst einfach gewählt, lässt sich aber beliebig übertragen. Bastler modellieren die ganzen unliebsamen Effekte i.d.R. nicht. Dafür gibt's Faustregeln. Daraus zu schlussfolgern, die Effekte seien formell nicht beschreib-, berechen- oder simulierbar, ist mMn erneut eher anmaßend - und i.a.R. falsch.

Aktuelle Forschung und Entwicklung muss eigentlich zwingend all diese Effekte korrekt modellieren, um Fortschritte bei Leistungsdichte, Effizienz, etc. zu machen. Daher können die auch nen 70kW Elektromotor kleiner als nen Bierkasten bauen, der a) auch wirklich 70kW leistet bei dem Volumen, und b) nicht abfackelt. Das macht hier keiner (erneut, nicht böse gemeint).
Passend dazu dachte ich, lass ich einfach mal den Link hier zu Abschlussarbeiten rund um elektrische Maschinen. Überraschung, eine davon dreht sich ganz explizit um Fertigungstoleranzen. https://www.eti.kit.edu/2820.php


Liebe Grüße,
Max
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Paul
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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von Paul »

Max, dickes Daumen hoch für deinen Beitrag! Werde mir das Video später mal reinziehen. Sieht auf den ersten Blick lustig aus. :D Und ich bin definitiv auch schon über Artikel von solchen Typen gestolpert.

Vielleicht bin ich selbst auch nicht ganz unschuldig was Spekulationen über technische Möglichkeiten angeht, aber immerhin kennzeichne ich diese als solche. Wer einige meiner Beiträge hier verfolgt hat, weiß, dass ich der Auffassung bin, dass die Physik noch lange nicht "fertig" ist – mit der Unvereinbarkeit von Relativitätstheorie und Quantenmechnanik als prominentestem Beispiel. Demnach könnte die Zukunft durchaus noch einige Überraschungen für uns bereithalten, die heute noch – verständlicherweise – als unmöglich oder "Magie" gelten.

Was auch ganz sicher ist – um wieder an Max' Post anzuknüpfen – ist, dass wir als Menschheit einen sprichwörtlich unfassbaren Wissensschatz aggregiert haben und aggregieren werden, der niemals von einzelnen selbstproklamierten Spezialisten (siehe Video) beherrscht werden kann. Immerhin, wer Glück hat, bekommt in Schule und Studium einen guten Prozentsatz dieses Wissens vermittelt, der nicht komplett veraltet ist. Diesem Umstand sollte man sich dann bitte auch bewusst sein.

Beste Grüße!
Paul
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Lightsource
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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von Lightsource »

Ich finde aber auch, dass viele Wissenschaftler selbst dran schuld sind, an der heutigen Situation.
Na gut, früher waren es vielleicht die Priester und Schamanen, die die "Geheimnisse" der Erkenntnis wahrten.
Heute sind es halt die Mathematiker und Physiker, die eine eigene Geheimsprache verwenden, damit
Uneingeweihte nicht verstehen können, um was es eigentlich geht. So ist jedenfalls der Eindruck, den
sie unter der Bevölkerung erwecken. Mathe und Physik ist für viele Schüler langweilig, weil oft von
unfähigen Lehrern beigebracht. Dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Erde plötzlich
wieder flach ist. Und jemand, der seine Gasrechnung nicht mehr bezahlen kann, wird sich irgendwann
auch fragen, warum der Staat solche (in ihrem Denken) sinnlosen Wissenschaften unterstüzt, die
der Welt nicht nur Segen gebracht haben, sondern auch Krankheiten und Tod.

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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von axonf »

Hallo und einen schönen Samstagabend, hallo MaxZ zum durcharbeiten des Threads brauche ich wohl schon das ganze Wochenende, bin je eben auch nicht der schnellste, den Video Trailer finde ich schon klasse selbstironisch spitzenmäßig. Die Riemannsche Vermutung ist ja schon Hard Core Mathematik an sich, aber die Primzahlen haben ja durch Magicicada Septendecium ihren Einzug in die Biologie gefeiert. Habe gleich mal ne Mathe Challenge mit den Kindern gemacht, suche ab der Zahl 4 immer die Summe von Primzahlen die zu einer natürlichen Geraden Zahl passen, mal ne schöne Alternative zu PC und Smartphone. Ich schreibe gerne später noch weiter, zuerst müssen noch die Blumentöpfe ins Haus. Viele Grüße von axonf.
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Alexander470815
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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von Alexander470815 »

Lightsource hat geschrieben: Sa 19. Nov 2022, 14:40 Heute sind es halt die Mathematiker und Physiker, die eine eigene Geheimsprache verwenden, damit
Uneingeweihte nicht verstehen können, um was es eigentlich geht.
Könnte auch einfach sein das man gewisse Probleme mit "normaler" Sprache einfach nicht sinnvoll ausdrücken kann.
Für viele Leute besteht auch einfach keine Relevanz für solche Probleme.

axonf
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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von axonf »

Hallo und eine schöne gute Nacht, ein paar Gedanken zum obigen Thema Wissen oder besser wissen hätte ich da noch. Vor einigen Jahren gab es doch einen richtigen Hype um die additive Fertigung, da haben sicherlich einige Firmen ordentlich Schotter in den Sand gesetzt. Da gab wohl auch ein paar altmodische Fachleute welche die ganze Technik noch in den Kinderschuhen sah. Heute weiß man, das gerade diese Mikrostrukturen besonders fürs Kriechen anfällig sind, und für hochbeanspruchte Bauteile ungeeignet sind. Erst durch Wärmebehandlungsverfahren aus dem vergangenen Jahrhundert können defekte beseitigt und eine bessere Kristaline Struktur geschaffen werden. So bedient sich auch Hightech aus den Erfahrungen vergangener Generationen, einschließlich deren Physik und Naturwissenschaft . Zumindest habe ich ja immer ne Ausrede parat, da ich wohl im Google Algorithmus gefanngen bin, und die Riemannsche Weihnachtserzählung immer wieder in meinen You Tube Favoriten auftaucht. Viele grüße von axonf.

Lightsource
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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von Lightsource »

Ich hatte einmal Zeit, in einer historisch technischen Bibliothek herum zu schnüffeln.
Das war interessant und auch lehrreich. Da konnte ich Fragen lesen, die inzwischen
durch die Forschung schon beantwortet sind. Aber interessanterweise konnte ich alles
was dort beschrieben war viel besser verstehen, als es in moderneren Lehrbüchern
der Fall ist. Ich habe selbst einige alte Bücher über PC-Hardwaretechnik. Dort werden
wirklich noch die Zusammenhänge erklärt. Selbst habe ich zu Anfang meiner
Computerei noch mit einem Apple IIe herumgebastelt. Und halt auch Assembler
auf 6502-Basis gelernt. Also auch die Interfacebausteine programmiert.
Heutzutage sind die Bausteine Blackboxes, die man mit Hochsprachen anspricht.
Oder man muss wirklich sehr graben, um an einfach erklärte Information
der hardwarenahen Programmierung zu kommen. Einerseits ist es dadurch
einfacher geworden (Microcontroller zu programmieren), andererseits weiß ich nicht wirklich
was der Baustein tatsächlich alles so treibt, während er mein Programm
ausführt.
Früher wussten unsere Betriebsleiter noch, wie die Produktion abläuft. Die
sind tatsächlich die Rohleitungen abgelaufen, um zu sehen wo welches Produkt hin
läuft. Heute sitzen sie in ihren Büros und glotzen auf ihren Bildschirm und haben
oft keine Ahnung, wie wo und welche Reaktionen in ihren Behältern stattfinden.

So ähnlich las ich mal in einem Science Fiction Roman. Er könnte von Asimov
gewesen sein. Auf irgend einem Planeten hatten sie vor vielen vielen Jahren
autarke Energiekraftwerke gebaut. Inzwischen wusste aber niemand mehr wie
diese funktionieren. Auch andere hoch entwickelte Technik hatten sie dort.
Alle nutzten diese Geräte, aber keiner hatte eine Ahnung wie man sie
baut.
Es wird ja schon immer schwieriger an ganz normale ICs zu kommen, weil
die Firmen nichts mehr dran verdienen können. Oder Pharmafirmen hören
einfach auf, Medikamente herzustellen. (z.B. Ibuprofen) und keiner in
Europa ist in der Lage, einzuspringen, um die Versorgung sicher zu stellen?

Auch erinnere ich mal an den Film Idiocracy. Eine Welt in der nur noch Idioten
leben.
Auch Wally greift dieses Thema auf.

Und dann kommt auch noch der Dunning-Kruger-Effekt zum Tragen.
Leute, die keine Ahnung haben, aber laut schreien können, und dabei
die dumme Masse beeinflussen, mit Chemtrails und Reptiloiden auf einer
flachen Erde. Da braucht es nicht zu wundern, wenn Leute diese mathematischen
Rätsel schnell mal übers Wochenende "lösen".

Ich finde schon, dass unsere Welt verdummt.

axonf
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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von axonf »

Hallo und ne gute Nacht, hallo MaxZ eigentlich finde ich mich selbst zu 100 Prozent in dem obengenannten Protagonisten, oder besser gesagt die Kunstfigur axonf. Ich selbst habe da kein Problem damit, als Ober Schlaumi, Gescheithaferl aufzutreten, man muß eben nicht unbedingt Akademiker gegen Handwerker ausspielen, sondern die können sich auch gegenseitig befruchten, ich höre das schon oft beim Kunden von Technikern und Ingenieuren, machen Sie doch bitte einen Vorschlag, Sie sind doch der Fachmann, Handwerker. Ein schönes Beispiel gibts gleich bei mir um die Ecke, Oswald Elektromotoren in Miltenberg Mainfranken, Weltmarktführer für Torquemotoren und Generatoren. Aus einem anfänglichen Handerksunternehmen wurde durch viel Fleiß und Inovation über viele Generationen eine Hightech Schmiede für elektrische Antriebe, ob in einem 80 T eDumper oder in einer Schulerpresse so groß wie ein Haus. Innovationen entstehen eben immer nur im gemeinsamen Austausch mit dem Kunden, Forschungsinstituten und Universitäten, dazu ist aber kein Inovationscenter mit einer möglichst großen Anzahl von Technikern und Ingenieuren nötig, das über 50 Mille kosten würde. Ich hoffe das war nicht allzuviel Kokolores und wünschte euch noch ne gute Nacht axonf.
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kilovolt
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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von kilovolt »

Ich sehe das alles nicht ganz so schwarz/weiss. Zum einen ist es sicher so, dass studierte Leute führend sind in Forschung und Entwicklung und sehr viel zustande gebracht haben, kein Zweifel. Zum anderen muss man aber auch sagen, dass es immer wieder findige, innovative Leute gibt, die teils geniale Erfindungen gemacht haben ohne speziell wissenschaftlich/mathematischen Hintergrund, nicht selten sogar nur durch Neugierde, gute Beobachtungsgabe und manchmal sogar Zufall. Ich würde daher niemanden belächeln, der ohne wissenschaftlichen Hintergrund die Dinge hinterfragt und nach Lösungen sucht. Zudem muss man auch sagen, dass die Wissenschaft schon viele Erkenntnisse nachträglich revidieren musste. Was ich an der Wissenschaft manchmal etwas problematisch empfinde, ist deren Absolutheitsanspruch. Insbesondere in der Medizin, wo es auch alternative Wege gibt, die nicht anerkannt sind und trotzdem helfen.

Beste Grüsse
kilovolt
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Zitzewitz
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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von Zitzewitz »

kilovolt hat geschrieben: Mi 23. Nov 2022, 17:14 Insbesondere in der Medizin, wo es auch alternative Wege gibt, die nicht anerkannt sind und trotzdem helfen.
Ich glaube nicht, dass die "Schulmedizin" einen Absolutheitsanspruch erhebt. Es wird im Medizinstudium sehr deutlich, dass Medizin eine Wissenschaft ist, und das heißt, dass man nicht einfach behaupten sollte, eine Therapie sei sehr wirksam - und ggf. besser als andere Therapien - ohne dass man das belegen kann. Und solche Wirksamkeitsnachweise laufen in der Medizin oft über Studien, die nach wissenschaftlichen Methoden statistisch ausgewertet werden. Und Wissenschaft ist immer offen für neue Erkenntnisse, die eben auch zum Verwerfen von früheren Annahmen / Hypothesen führen können. Aber der Mensch ist ein kompliziertes Gebilde, und es ist durchaus bekannt und anerkannt, dass z.B. die Psyche oder der Glaube an die Wirksamkeit einer Therapie auch schon zum Erfolg beitragen kann. Es gibt ja durchaus Ärzte, die neben Schulmedizin auch alternative Methoden anwenden. Aber wenn es darum geht, ob die Krankenkasse eine Therapie zahlt, und die Krankenkasse wird (zumindest in Deutschland) von allen Beitragszahlenden mitfinanziert, dann macht es schon Sinn, dass gefordert wird, dass die Wirksamkeit einer Therapie wissenschaftlich belegt ist. Nach meinem Kenntnisstand ist z.B. für kein homöopathisches Arzneimittel mit hoher Verdünnung ("Potenzierung") die Wirksamkeit durch eine wissenschaftliche Studie belegt - ich meine damit, dass die Therapie BESSER als Plazebo wirken sollte. Dass es den Plazeboeffekt - und als Umkehrung auch den Noceboeffekt - gibt, wird in der Schulmedizin sehr wohl anerkannt.

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Re: Neue Physik und andere revolutionäre Entwicklungen

Beitrag von axonf »

Hallo und einen schönen guten Morgen, hallo Kilovolt deinen Post kann ich zu 100 Prozent Unterschreiben, ich kann mich eben nicht zu gewählt ausdrücken. In der aktuellen Forschung wird ja auch ganz schön geflunkert, das wird schnell mal aus summa cum laude, summa cum fraude, dazu gibt es auch ein schönes Forschungsprojekt, und aus Fake News werden Fake Siences. Ob aus Zeitdruck oder Geldmangel, überbieten sich die Universitäten und Forschungsinstitute mit ihren Publikationen bei Sience oder Nature oder anderen Fachmedien. Viele Grüße von axonf.
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