Erdung von Gehäusen - Verständnisfrage

Umfragen, Gemeinschaftsprojekte, Sammelthreads, Spiele und alles, was sich sonst nirgendwo einordnen lässt.

Moderatoren: SeriousD, ebastler, MaxZ

Antworten
Nachricht
Autor

Thread-Ersteller
gunni
Beiträge: 10
Registriert: Mi 1. Sep 2021, 23:24
Hat sich bedankt: 2 Mal

Erdung von Gehäusen - Verständnisfrage

#1 Beitrag von gunni »

Hallo zusammen,

ich hätte mal eine absolute Anfängerfrage, wegen der ich mich etwas dumm fühle. Ich hoffe das ist der richtige Bereich.

In einem anderen Thread habe ich Grundlegende Fragen zum Bau eines Hochspannungsnetzgerätes gehabt. Eine davon war:
Zur Erdung habe ich noch eine Verständnissfrage: Wenn die Hochspannung über die Erdung abfließt, habe ich doch auch auf dem Gehäuse die Hochspannung anliegen, korrekt? Natürlich ist der Widerstand zur Erdung geringer, aber theoretisch könnte man doch einen Schlag bekommen, wenn man das Gehäuse berührt, oder?
Kilovolt hat mir geantwortet und erklärt:
kilovolt hat geschrieben:
Do 2. Sep 2021, 18:18
wenn ein Punkt in einer Schaltung Erdpotential hat, dann kann dort keine Hochspannung gegenüber Erde entstehen, das wäre ziemlich paradox. Ein mit Erde verbundener Punkt hat Nullpotential gegen Erde, also kann es Dir dort auch keins wischen. Überlege Dir diese Sachverhalte genau, bevor Du sowas baust.
Ich nehme mir seinen Rat zu Herzen und möchte es gerne verstehen.

In meiner „Skizze“ hält eine Person einen Metallstab, welcher geerdet ist und berührt damit eine Hochspannungsquelle von +50kV. Der Stab ist in diesem Fall äquivalent zum Gehäuse, welches geerdet ist.
Nun hat der Strom doch aber zwei Möglichkeiten zur Erde abzufließen, nämlich über den geerdeten Metallstab oder über die Person, welche ebenfalls geerdet ist (der Kerl steht dummerweise barfuß herum). Natürlich ist der Widerstand der Person weitaus größer, als der Widerstand des Kabels, welches den Metallstab erdet, aber es würde doch trotzdem ein gewisser Strom über die Person abfließen, oder?

Bild

Vielleicht hat jemand von euch die Zeit und Geduld mir zu erklären, wo mein Denkfehler liegt. Dafür wäre ich euch sehr dankbar!

Grüße

Benutzeravatar

Alexander470815
Beiträge: 1802
Registriert: Mi 14. Jul 2010, 22:00
Spezialgebiet: Kältetechnik, Frequenzumrichter, E-bikes
Wohnort: D:\Hessen\Gießen
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 94 Mal

Re: Erdung von Gehäusen - Verständnisfrage

#2 Beitrag von Alexander470815 »

Der Trick liegt jetzt darin das die Spannung zusammenbrechen wird.
Wenn deine Quelle 25000A bei 5000V bereitstellen kann(das sind 125MW) dann wird sowieso alles in der näheren Umgebung geröstet.

Die Spannung die du berühren kannst wird selbst wenn Strom über die Erde fließt allenfalls wenige Volt betragen, völlig ungefährlich.

Betrachte die beiden Fälle auf dem Bild einfach mal wenn da keine Spannungsquelle mit 5000V sitzt sondern eine Stromquelle mit 1A.

Benutzeravatar

kilovolt
Beiträge: 13263
Registriert: So 25. Feb 2007, 09:50
Hat sich bedankt: 606 Mal
Danksagung erhalten: 395 Mal
Kontaktdaten:

Re: Erdung von Gehäusen - Verständnisfrage

#3 Beitrag von kilovolt »

Nehmen wir an, deine 5000V-Quelle kann maximal 1A liefern (was schon recht leistungsfähig ist für unsere Verhältnisse, immerhin wären das dann bereits 5kVA). Nun erden wir diese Quelle mit einem Erdleiter, welcher 0.1 Ohm Widerstand hat. Dann möchte die Quelle zwar eigentlich 5000V/0.1 Ohm = 50000A liefern, tatsächlich kann sie aber "nur" 1A maximal liefern. Somit fällt über dem Erdleiter eine Spannung von U = R*I ab, in diesem Fall also 0.1 Ohm * 1A = 0.1V. Die Klemmenspannung der HV-Quelle fällt also auf lächerliche 100mV zusammen, das kannst Du auch barfuss noch problemlos berühren ;-) Meistens sind unsere HV-Quellen sogar noch sehr viel schwächer als das, denn Hand aufs Herz, wer hat denn schon zuhause mehr als einige kVA Leistung zur Verfügung? Übrigens: Selbst bei grossen, professionellen Hochspannungsanlagen verlässt man sich ein Stück weit auf diesen Sachverhalt. Eine der Sicherheitsregeln ist nämlich das erden einer Anlage, bevor daran gearbeitet wird. Selbst eine Zug-Fahrleitung, welche abartige Ströme im Bereich von mehreren kA liefern kann, wird mit einer entsprechend dicken Erdungsgarnitur geerdet und diese ist dann sicher zum Arbeiten. Klar schaltet man die Anlage vorgängig noch frei, aber im Prinzip verlässt man sich auch auf die Erdung, denn selbst wenn versehentlich wiedereingeschaltet würde, muss die Erdgarnitur dafür sorgen, dass der Fahrdraht zu keinem Zeitpunkt eine gefährlich hohe Spannung führen kann, muss also die Quelle sicher und sauber kurzschliessen.

Gruss kilovolt
Alle Angaben meinerseits ohne Gewähr! Ich lehne jegliche Haftung für Personen- und/oder Sachschäden ab. Jeder ist für seine Sicherheit selber verantwortlich.

http://www.kilovolt.ch


Thread-Ersteller
gunni
Beiträge: 10
Registriert: Mi 1. Sep 2021, 23:24
Hat sich bedankt: 2 Mal

Re: Erdung von Gehäusen - Verständnisfrage

#4 Beitrag von gunni »

Alles klar, jetzt verstehe ich! Danke euch beiden! :herz:

Benutzeravatar

Death
Beiträge: 435
Registriert: Sa 14. Jul 2018, 05:56
Spezialgebiet: CO²-Laser
Schule/Uni/Arbeit: Elektroinstallateur
Wohnort: Duisburg
Hat sich bedankt: 35 Mal
Danksagung erhalten: 51 Mal

Re: Erdung von Gehäusen - Verständnisfrage

#5 Beitrag von Death »


Antworten