Netzfilter = Zeitbombe?!

Für HV-Trafos, Kaskaden, Coilguns, Induktionsheizer und Ähnliches.

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Paul
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Netzfilter = Zeitbombe?!

#1 Beitrag von Paul »

Moin Leute,

heute habe ich euch mal etwas kurioses aber auch verstörendes zu berichten.
In meinem neuesten Projekt, ein HV-Netzteil (dazu kommt nochmal ein eigener Thread), habe ich einen Netzfilter eingebaut, so ein Modul mit Kaltgeräte-Buchse, Netzschalter und doppeltem Sicherungsfach.

Nach ein paar kurzen Tests, also nur ca. 5 Minuten Betrieb, habe ich das Netzteil wieder abgeschaltet.
Und zwar über den doppelpoligen Netzschalter an der Frontplatte UND über den Schalter am Netzfilter.

Und jetzt kommt's: Nach 10 oder 15 Minuten, in denen ich mich wieder hinter den Rechner geklemmt an dem Artikel für meine Website geschrieben habe, macht es *PLÖFF* und ich dachte, ich gucke nicht richtig: Eine kleine aber, extrem miefige Rauchwolke steigt aus meinem tollen neuen HV-Netzteil empor. WTF?! Das Gerät war die ganze Zeit abgeschaltet!!!

Also sofort Fenster aufgerissen und ungläubig das Gehäuse geöffnet.
Keine Schäden zu sehen, ich habe natürlich erstmal so reingeleuchtet und die Elkos gecheckt -- alles normal. Auch anderswo konnte ich keinerlei geplatzte Teile oder Schmauchspuren erkennen.

Also alles wieder ausgebaut. Das Mainboard ist unversehrt, der Lüfter funktioniert noch, der Zeilentrafo sieht gut aus und die restliche, in Heißkleber vergossene HV-Schaltung kann es nicht gewesen sein.

Also mal schön den Rüssel ins Gehäuse gehalten: Am meisten mieft es in der Netzfilter / Ringkerntrafo-Ecke. Also den Trafo ausgebaut und mal die Wicklungswiderstände durchgemessen -- das sah auch gut aus. (Wieder in Betrieb genommen habe ich ihn aber noch nicht.)

Jedenfalls blieb am Ende nur noch der Netzfilter als Übeltäter übrig, und nachdem ich ihn ausgebaut und eine Nase genommen habe, stand fest: Der riecht ekelig nach Elektrolyt oder sowas! Ein bisschen Gewalt bestätigte den Verdacht, dass da irgendwas im Innern ausgelaufen ist:
20200530_165614.jpg

Habt ihr sowas schonmal erlebt?!?! Was genau ist denn in so einem Filter verbaut? Etwa Elkos?
(Ich hatte noch keinen Nerv, das stinkige Ding heute Abend noch weiter zu zerpflücken -- werde ich morgen mal angehen.)

Und WARUM ist das Ding überhaupt hochgegangen? Kann es das irgendeinen parasitären "Hochspannungs-/Blindleistungs-/sonstwas"-Pfad geben, der von meiner HV-Sektion (eigentlich nur ein Zeilentrafo mit Spannungsverdoppler) im Betrieb auf den Netzfilter Rückwirkt und diesen dadurch langsam aber sicher degradieren lässt?! Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

Und WARUM ZUR HÖLLE hat es eine Viertelstunde im ausgeschalteten Zustand gebraucht, bis das Ding gezündet hat? Hat da ein Elektrolyt noch so lange vor sich hin geköchelt, bis das Fass übergelaufen ist?! Oder hat es intern aus irgendeinem Grund einen Kurzschluss gegeben, der den am Netzfilter verbauten Schalter einfach gebrückt hat?! -- Das ist ja lebensgefährlich, wenn gerade keiner daheim ist und so ein Teil wirklich mal Feuer spucken sollte...

EDIT: Eine der beiden Sicherungen hat auf jeden Fall dabei ausgelöst, die ist durch!

EDIT²: Der Netzfilter hat auf jeden Fall keinen Durchgang, ich habe vor dem Aufknacken (als ich noch nicht sicher war, dass er der Übeltäter ist) nochmal zwei frische Sicherungen reingeschmissen und ihn eingeschaltet. Die 230 VAC kommen durch.

Beste Grüße,
Paul (der sich über jeden Erklärungsversuch freut)

EDIT³: Hat hier noch jemand einen funktionierenden Netzfilter mit den gleichen Abmessungen günstig abzugeben? :trollface: (Lasst uns eine Versuchsreihe starten!)
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VDX
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#2 Beitrag von VDX »

... ja, laut Schaltbild der typischen Netzfilter sind da Kondis verbaut - es sollten eigentlich "wechselspannungsfeste" sein (meist vermutlich Folien-Kondensatoren ohne Elektrolyt) -- wenn das aus China kommt, können das dann aber durchaus auch mal Elkos sein, welche dann natürlich "allergisch" auf Wechselstrom reagieren ...

Viktor
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Death
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#3 Beitrag von Death »

Bei mir haben die Dinger schon oft den LS und meist den FI/RCD mit fliegen lassen.

Man erschreckt dann doch recht kurz aber heftig :mrgreen:

Ich kauf halt bei Ebay Kleinanzeigen auch Altgeräte , wenn der Preis stimmt :hehe:

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Alexander470815
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#4 Beitrag von Alexander470815 »

Ja ist mir auch schon ein paar mal passiert das sowas aufgegeben hat.
Aber immer mit unterschiedlich viel Action, manchmal hats richtig gerumst, manchmal nur Kurzschluss...

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frickler
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#5 Beitrag von frickler »

Dass Netzfilterkondensatoren explodieren habe ich schon sehr oft erlebt. Besonders die Folienkondensatoren im matt-transparenten Gehäuse knallen gerne besonders geruchsintensiv ;)
In den meisten Fällen haben die Geräte dann weiter funktioniert, die Kondis haben bei ihrer Zerstörung keinen Kurzschluss erzeugt.

Wo haste den Netzfilter denn her? Meiner Erfahrung nach knallen solche Kondis besonders gerne nach langer Nichtbenutzung, wenn das Schlachtware mit ensprechender Vorbelastung ist wäre das also durchaus im Bereich des Möglichen.
Ich vermute mal, dass der Netzfilter vor dem Schalter in der Einheit verbaut ist, glaube nicht dass der sonst 15 min. nach Abschalten noch knallen würde.

Vielleicht belegt eine weitere Obduktion des Patienten diese Vermutung :D

EDIT³: Hat hier noch jemand einen funktionierenden Netzfilter mit den gleichen Abmessungen günstig abzugeben? :trollface: (Lasst uns eine Versuchsreihe starten!)
Hätte noch ein paar rumliegen, wenn du einen brauchst. Genaue Daten müsste ich dann nachschauen :mrgreen:

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Multi-kv
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#6 Beitrag von Multi-kv »

Ich denke, das sind so Entstörkondensatoren wie man sie tlw. noch in alten Neonröhrenlampen findet, meist neben dem Starter - so Polystyrol-Alu Wickelkondensatoren.
Hatte auch mal so eine Lampe im Keller, in der es immer mal wieder geknallt hat. Irgendwann hat es dann richtig gerummst und das Teil ist in Fetzen auseinandergeflogen.
Wenn man das Netz nicht komplett trennt, stand das Ding bei mir immer unter Saft, selbst wenn ich die Röhre rausgedreht hatte. Hab hier mal irgendwo ein Bild davon gepostet...

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Paul
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#7 Beitrag von Paul »

Moin allerseits,

danke für eure zahlreichen Rückmeldungen! Da bin ich ja "erleichtert", dass das bei mir kein Einzelfall war. Trotzdem total unnötig... :D

Die weitere "Obduktion" habe ich abgebrochen, das Teil ist ziemlich hartnäckig. Auf Aufsägen hatte ich nun keine Lust. Aber das Typenschild habe ich nochmal abfotografiert.
Die gesamte Filterschaltung liegt also hinter dem Netzschalter. Insofern bin ich immer noch nicht schlauer, wie das passieren konnte...
Ich schätze mal, es war der X2-Kondensator. Aber wenn die beiden 2,2 nF-Kondis auch FoKos sind, könnten die es ja auch genau so gut gewesen sein.

20200531_084619.jpg
"Made in Switzerland" ... :trollface:
Das Teil habe ich mal aufm Fingertreffen für nen Euro bekommen. Ist also tatsächlich Schlachtware.

@frickler: Danke, hast PN. :hihi:

Viele Grüße
Paul!
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kilovolt
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#8 Beitrag von kilovolt »

Hallo Paul

rauchende Netzfilter habe ich auch schon mehrfach erlebt bei Kundengeräten in meinem Job-Alltag. Mindestens in zwei Fällen waren es Netzfilter bei Geräten, welche eigentlich noch für 220V Netzspannung ausgelegt waren. Ich könnte mir vorstellen, dass die erhöhte Netzspannung von mittlerweile schon fast 240V auch einen recht ungünstigen Beitrag dazu leistet. Wenn das Zeug aus Kostengründen ohnehin schon knapp bemessen ist, dann kann die höhere Netzspannung unter Umständen das Fass dann zum Überlaufen bringen. Die höhere Netzspannung bringt übrigens ganz generell mehr Probleme, als die Netzbetreiber wahrhaben wollen. Bei älteren Geräten, welche sekundärseitig im Netzteil mit linearen Spannungsreglern arbeiten, kommt es leider immer wieder zu Ausfällen. In dieser Hinsicht sind Schaltnetzteile mit ihrem weiten Eingangsspannungsbereich den konventionellen Netzteilen eindeutig überlegen.

EDIT: Uiuiui, ein Schaffner-Netzfilter :shock: :mrgreen: Naja, wenn es so uralt ist, dann darf es ja auch mal kaputt gehen ;-) erst recht, wenn es nur für 250VAC ausgelegt ist. Wie hoch ist bei Euch die Netzspannung denn aktuell?

Beste Grüsse
kilovolt
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#9 Beitrag von Paul »

Moin kilovolt,
kilovolt hat geschrieben:
So 31. Mai 2020, 09:17
EDIT: Uiuiui, ein Schaffner-Netzfilter :shock: :mrgreen: Naja, wenn es so uralt ist, dann darf es ja auch mal kaputt gehen ;-) erst recht, wenn es nur für 250VAC ausgelegt ist. Wie hoch ist bei Euch die Netzspannung denn aktuell?
Achso, gibt's die Firma schon garnicht mehr, oder wie kommst du drauf, dass das Teil so alt ist? :mrgreen:

Also bei mir sinds momentan exakt 230 VAC, gerade mal gemessen. ;)

Viele Grüße
Paul!
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axonf
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#10 Beitrag von axonf »

Hallo und einen schönen Abend, ich nehme gerne den Netzfilter aus ner alten Mikrowelle, hatte da noch nie Probleme. Netzfilter können schon mal den FI fallen lassen, wenn der Ableitstrom durch den Y Kondensator auf Erde zu groß ist, könnte auch ein Sicherheitsrisiko sein, wenn ich durch einen Schaden selbst die Erde bin. Ich selbst traue den Kaltgeräteschaltern nicht so, besonders bei Stechdosenleisten schalten diese nicht Allpolig ab, und die Kontaktbelastung hat auch ihre Grenzen. Als Nichtfachman denke ich mal , das ne Hochfrequente Hochspannung sich immer ihren Weg auch zur Erde sucht. Ich mache nächste Woche erst mal meinen Schlosser Elektriker Schein, da darf ich den auch mal offiziell in einen Schaltschrank schauen. Ich wünsche euch noch ein schönen Feiertag axonf

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kilovolt
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#11 Beitrag von kilovolt »

chso, gibt's die Firma schon garnicht mehr, oder wie kommst du drauf, dass das Teil so alt ist?
Dochdoch, sorry, das ist vielleicht etwas falsch rübergekommen. Die Firma Schaffner existiert noch immer und ihre Produkte sind qualitativ auf jeden Fall über jeden Zweifel erhaben. Aber so, wie ich Dich verstanden habe, hast Du selber erwähnt, dass das Filter schon alt ist, deshalb meine Aussage, dass es auch mal kaputt gehen darf ;-)

Gruss kilovolt
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Re: Netzfilter = Zeitbombe?!

#12 Beitrag von Paul »

Achso. :mrgreen:

Ja, also ich habe jetzt mal auf eBay geschaut und spaßeshalber mal das Teil hier als schnellen Ersatz bestellt:
https://www.ebay.de/itm/312685672181

Jetzt kann man sich fragen, was zum günstigen Preis länger hält: Neue Chinaware oder alte Qualitätsware mit vielen Betriebsstunden auf dem Buckel.

Ich seh schon, am Ende muss ich wohl einfach in den sauren Apfel beißen und mir für 20€ ein namhaftes Teil holen.

Oder gleich komplett auf den Filter verzichten. :D

Viele Grüße
Paul
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